Atlas der (Un-)Sicherheit

Forschungsprojekte

Zwischen dem, was Menschen im öffentlichen Raum erleben, und dem, was darüber zirkuliert, liegt ein Spannungsfeld, das den wissenschaftlichen Rahmen dieser Arbeit bildet: Erfahrung wird erinnert, erzählt und zur Strategie; zugleich werden Szenarien sprachlich verfügbar – als Warnung, Verdichtung, Bild im Kopf. Im übergeordneten Projekt ZEHN METER DUNKEL wird dieses Zusammenspiel als Ausgangspunkt gesetzt, um urbane (Un-)Sicherheit nicht zu dramatisieren, sondern in ihren Bedingungen lesbar zu machen. Dadurch wird nachvollziehbar, warum Unsicherheit oft nicht erst im Moment der Begegnung wirksam wird, sondern schon davor: als Erwartung, die Wege, Blicke und Entscheidungen mitsteuert.

Zwei Forschungsprojekte tragen diese Perspektive. In der Heimweg-Umfrage wurden bundesweit Erfahrungsberichte gesammelt und statistische Angaben mit offenen Antworten verbunden, sodass Angsträume, Vermeidungsverhalten und erlebte Vorfälle nicht nur gezählt, sondern in ihrer Sprache sichtbar werden. Das Ceres-Projekt untersucht Lokalzeitungs-Schlagzeilen: Ein mehrjähriger Korpus wird fortlaufend erweitert; ein Auswertungsalgorithmus filtert und gewichtet gewaltbezogene Formulierungen, um Muster der Zuspitzung, Wiederholung und Intensität in der Berichterstattung herauszuarbeiten. Beide Projekte bilden damit den zentralen empirischen Kern, an dem sich die methodische Vertiefung und die Reflexion etablierter Ansätze ausrichten – als Versuch, die Stadt weniger zu alarmieren als lesbar zu machen.